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Als die Medienwelt nach Köln kam

Als die Medienwelt nach Köln kam

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Für Oberbürgermeister Konrad Adenauer war die Kölner Messe immer ein Herzensprojekt. Nach der erfolgreichen Kölner Werkbundausstellung 1914 und der Grundsteinlegung für ein dauerhaftes Messegelände 1922 war es 1928 die Internationale Presse-Ausstellung „PRESSA“, die Köln nicht nur erfolgreich als Ausstellungs- und Messestandort etablierte, sondern auch das Event, das Köln endgültig als Medienstadt zementierte.

Fast 5 Millionen Menschen strömten zwischen Mai und Oktober 1928 auf die Schäl Sick nach Köln. Rechtzeitig vor der Eröffnung am 12. Mai konnten die Bauarbeiten an der von Adolf Abel geplanten Randbebauung mit der noch heute bestehenden Fassade und dem Messeturm abgeschlossen werden. (Schwer vorstellbar, aber damals funktionierte dies wirklich noch.) Die neue Randbebauung sollte den bis dahin architektonisch sehr unterschiedlichen Messehallen ein einheitliches Gesamtbild geben.

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Den Schatten des Kriegs ablegen

Zum Eröffnungstag hatten sich 1500 Aussteller aus 43 Ländern sowie Vertreter des Völkerbundes auf der Schäl Sick eingefunden. Dies war alleine schon deshalb bedeutsam, weil Deutschland nur 3 Jahre zuvor zur Weltausstellung des Kunstgewerbes, der Exposition Internationale des Arts Décoratifs et Industriels Modernes in Paris, überhaupt nicht eingeladen worden war. So durfte Köln Deutschland auf der internationalen Bühne präsentieren und unter dem Ausstellungsthema der Völkerverständigung dabei helfen, den Schatten des ersten Weltkrieges etwas zu lichten. Nicht zuletzt deswegen wurde das Kölner Vorhaben auch tatkräftig durch die damalige Reichsregierung unterstützt. In der Hauptstadt erhoffte man sich durch eine Politik der Aussöhnung das deutsche Ansehen in der Welt und damit die deutsche Wirtschaft zu stärken, um das Land mittelfristig wieder als Großmacht etablieren zu können. Die tragische Ironie, dass die Nazis nur kurze Zeit später die Presse – und insbesondere das gerade aufkommende Radio – als Propagandainstrument missbrauchten, um die Welt wieder in die Dunkelheit zu stürzen, war zu diesem Zeitpunkt natürlich so noch nicht absehbar. Obwohl es durchaus mahnende Stimmen zum Thema der weltweiten politischen Einflussnahme auf die Presse und deren Bedeutung als wichtiges Propagandainstrument während des Ersten Weltkrieges gab.

1928 Eröffnung der PRESSA v.l.n.r. Spanischer Botschafter de los Monteros, Amerikanischer Botschafter Schurmann, Oberbürgermeister Adenauer, Generalsekretär des Völkerbundes Sir Eric Drummond, Abgeordneter des Deutschen Reichstags Dr. Külz
Möge diese Ausstellung die Überzeugung von der Gemeinsamkeit in den erhabensten und wesentlichsten Grundlagen der menschlichen Kultur, das Gefühl der Zugehörigkeit zu einer großen, in Gedeih und Verderb miteinander verflochtenen Völkerfamilie stärken und beleben, möge diese Ausstellung wer­den ein Werkzeug des Friedens!
Konrad Adenauer

Die Schäl Sick macht sich schick für die Welt

Es war ein gigantisches Unterfangen. Die ganze Stadt hatte sich für die vielen internationalen Besucher herausgeputzt. Im Norden des Messegeländes wurde eigens ein Freizeitpark angelegt und man richtete eine kleine Liliputbahn ein, die später für die Bundesgartenschau 1957 wiederbelebt wurde und deren Nachfolgerin noch heute im Rheinpark unterwegs ist. Sie fuhr die Besucher von den Messehallen zum für die PRESSA gebauten Staatenhaus (das seinen Namen den Pavillons der ausländischen Staaten, die hier untergebracht waren, verdankt), dem neu angelegten Rosengarten im Rheinpark und den ebenfalls für die PRESSA entstandenen Rheinterrassen. Intensive Werbemaßnahmen sollten Besucher aus dem In- und Ausland anlocken und sogar der Rosenmontagszug 1928 wurde genutzt, um die PRESSA zu bewerben.

Während der fünfmonatigen Ausstellung konnten sich die internationalen Besucher nicht nur über die neuesten Errungenschaften auf dem Gebiet des Drucks, der Nachrichtentechnologie und des gerade aufkommenden Rundfunks informieren, sondern ebenfalls einen Blick zurück auf die historischen Wurzeln des modernen Journalismus werfen. Auch wenn die PRESSA hauptsächlich von Kultur- und Pressewissenschaftlern organisiert wurde und rund 300 verschiedene Fachkongresse und Tagungen in ihrem Rahmen stattfanden, sollte die Ausstellung von Anfang an ein Event für jedermann sein.

Ein Erfolg aber leider kein Friedensbringer

Als die PRESSA im Oktober ihre Pforten schloss, konnte Oberbürgermeister Adenauer die Ausstellung als großen Erfolg verbuchen. Durch die ausführliche weltweite Berichterstattung hatte er Köln nicht nur als internationalen Messestandort etabliert und die Wirtschaft belebt, die Stadt hatte sich darüber hinaus auch als weltoffene Kultur-Metropole präsentiert. Doch den Wunsch, mit der Presse ein Instrument der Völkerverständigung und des Friedens auf dem Weg zu einem europäischen Staatenbund zu schaffen, konnte die PRESSA nicht erfüllen.

Text: Jan Bilder: Koelnmesse

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