Kissen stopfen mit dem Kölner Herzkissen e.V.

Text & Bilder: Jan

Es herrscht geschäftiges Treiben auf der zweiten Etage des Hard Rock Cafes. Der in Porz beheimatete Verein „Kölner Herzkissen“ hat zum jährlichen Pinktober Herzkissen-Stopf-Event geladen. Nancy Friis-Jensen, eine dänische Krankenschwester, brachte die Idee dieser speziellen Kissen für Brustkrebspatientinnen im Jahre 2006 aus Amerika mit. Sie rief das Heart Pillow Project ins Leben, entwickelte den Schnitt und begann, die Idee „Herzkissen für Brustkrebspatientinnen – verschenkt von Herz zu Herz“ zu verbreiten. Daher werden auch alle heute hier fertiggestellten Kissen, die der Schmerzlinderung dienen und die Wundheilung unterstützen, kostenlos an betroffene Frauen abgegeben. 

Begrüßt werde ich von Heike. Sie ist die Vorsitzende des Vereins und leitet ihn zusammen mit ihrem Mann Tom. Die Herzkissen nähen sie seit 2011, den Verein selbst gibt es seit drei Jahren. 37 Mitglieder hat er mittlerweile. „Davon zwei Männer, möchte ich ausdrücklich betonen“, sagt Heike und lächelt. Daneben gibt es noch zahlreiche Freiwillige, die den Verein beim Nähen unterstützen. Die Kissenrohlinge werden zuhause genäht und anschließend im Vereinsheim des TV Ensen-Westhoven in Porz (1. Vorsitzender Lars Laufenberg) gesammelt. „Für Lars war klar, Porzer Vereine müssen zusammenhalten. Und wir sind natürlich sehr dankbar, dass wir dort Räumlichkeiten nicht nur zum Lagern der Kissen, sondern auch für unsere Stopf-Events zur Verfügung gestellt bekommen“, erzählt Heike. Im Veedel hält man zusammen, so soll es sein.

Für ihn sei es eine Ehre, das Event auszurichten, sagt Uriel, der General Manager des Hard Rock Cafe Köln. Seit 17 Jahren organisiert die Restaurantkette „Hard Rock Cafe“ weltweit den Pinktober, um Aufmerksamkeit auf das Thema Brustkrebs zu lenken. Seit vier Jahren unterstützt das Kölner Cafe die Porzer Herzkissen-Initiative durch Überlassung der Räume und kostenlose Verpflegung der Freiwilligen. Doch nicht nur das: Das Cafe stiftet T-Shirts, die – zu Herzkissen umgenäht – in seinem Merchandising Store verkauft werden, das Stück für 10 €, die zu 100% an den Verein fließen.

Die Stimmung ist ausgelassen, es wird fleißig genäht, gequatscht und gelacht. Nähkenntnisse sind nicht erforderlich, wer nicht nähen kann, stopft. Nicole ist mit zwei Freundinnen gekommen. „Es ist eine schöne Art zurückzugeben“, sagt sie. Für viele ist es nicht das erste Event. „Man kommt zusammen, hat nette Gespräche und hilft sich“ ist unisono der Tenor. Über dem geschäftigen Treiben wacht ein Bild von Uta. Sie konnte ihren Kampf gegen den Krebs leider nicht gewinnen und verstarb im Sommer. Es erinnert daran, um welch ernsthaftes Thema sich hier trotzdem alles dreht.  

Um so sprachloser bin ich, als Heike erzählt, dass sie und ihr Verein immer wieder als „Nähclub“ belächelt werden nach dem Motto, ein paar Herzkissen zu nähen sei ja kein richtiges Ehrenamt. Wie unglaublich dumm diese Ignoranz ist, zeigt sich spätestens in meinem Gespräch mit zwei betroffenen Frauen.

So viel mehr als nur ein Kissen

Für Sabine ist damals eine Welt zusammengebrochen. Sie steckte gerade in den Hochzeitsplanungen, als sie die Diagnose Brustkrebs bekam. Im Schock sei ihr erster Gedanke gewesen „Oh Gott, ich werde auf meiner Hochzeit keine Haare haben.“ Dass sich, mit der Situation überforderte Freunde und Familienangehörige von ihr abwenden würden. Die Hilflosigkeit, nicht die Kraft zu haben, um die eigene jugendliche Tochter emotional auffangen zu können. Das erdrückende Gefühl alleine gelassen zu werden. All dies konnte sie in diesem Moment nicht erahnen. „Ohne meinen Mann hätte ich es nicht geschafft“, sagt sie. 

Auch Daniela hat ähnliche Erfahrungen gemacht. Für sie war der erste Gedanke „Ich bin zu jung dafür.“ Aus diesem Grund teile sie ihre ungeschönte Geschichte und Erfahrung über die Sozialen Medien. Sie möchte damit junge Frauen erreichen und das Bewusstsein für die Wichtigkeit der Vorsorge schaffen. Von den Herzkissen hatte sie vor ihrer Diagnose noch nichts gehört. Als sie nach ihrer ersten Operation aus der Narkose aufwachte und auf ihr Krankenzimmer zurückgebracht wurde, fand sie eines der bunten Herzen in ihrem Bett. Die Krankenschwester habe ihr anschließend erklärt, was es mit dem Kissen auf sich habe und wie es zu tragen sei.

Doch das Wichtigste musste man natürlich weder Sabine noch Daniela erklären: Das kleine Kissen ist so viel mehr als nur ein medizinisches Produkt. Es ist ein von einem anderen Menschen liebevoll handgemachtes Zeichen, dass man nicht alleine ist. Da sind sich die beiden Frauen einig. Die zwischenmenschliche Komponente macht das Kissen und den Herzkissenverein mehr wert als Gold. Und genau deshalb freue ich mich, als Heike mir stolz das Foto zeigt, auf dem sie sich ins Goldene Buch von Porz eintragen durfte. Denn wenn dieser Verein nicht der gelebte Veedelsgedanke ist, dann weiß ich auch nicht.

Den Verein unterstützen

Wer den Herzkissenverein unterstützen möchte, muss nicht bis zum nächsten Stopf-Event warten. Neben der Möglichkeit selbstständig Kissenrohlinge zu nähen (Schnittmuster gibt es über den Verein), freut sich der Verein über finanzielle Unterstützung z.B. durch eine Mitgliedschaft (aktuell 18 € Jahresbeitrag) oder eine Spende.  

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Lieber Jan, liebes Veedelsgedanken- Team , vielen vielen Dank für diesen fantastischen Artikel über uns. Wir freuen uns immer über Unterstützung im Verein. Ganz liebe Grüße, Heike und Tom

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