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Weihnachtspostkartenaktion für Foto-Nerds

Weihnachtspostkartenaktion für Foto-Nerds

Das heutige Türchen präsentiert Euch die liebe Anne Barth. Anne ist Fotografin in Mülheim. Mehr über sie und ihre Arbeit erfahrt ihr unten in der Autoreninfo.

Jedes Jahr verwirre ich meine Familie aufs Neue, wenn ich in der Vorweihnachtszeit Weihnachtspostkarten verschicke. Es folgen – inzwischen immer weniger – Anrufe, ob ich verreist sei und / oder ob wir uns denn nicht zum Familienweihnachtsfest sehen würden.

Auf meiner Anrichte finden sich meist 2, manchmal 3, einsame Postkarten von Freunden, die ähnlich gestrickt sind wie ich. Dabei ist es so ein schöner Brauch Weihnachtspost zu verschicken. Denn (schöne) Post bekommt doch jeder gern. Und in Zeiten, wo vielleicht der ein oder andere auch in der Adventszeit über etwas weniger Konsum und Geschenkewahn nachdenkt, könnte eine persönliche Weihnachtspost doch ein schöner Ersatz sein, um seinen Lieben eine Freude zu machen, ohne direkt dem ungebremsten Kaufrausch zu verfallen.

Aber genug der Vorrede. Ich möchte euch eine relativ simple Methode zeigen, um recht ausgefallene Bilder (in diesem Falle für besagte Weihnachtspost) zu machen. Alles was ihr dafür benötigt ist:

  • Eine Kamera, bei der die Blende frei einstellbar ist (mit dem Handy klappt es leider nicht)
  • ein wenig schwarze Pappe
  • eine Schere

Dazu noch einen Ort, an dem es viele einzelne Lichter gibt, z.B. auf dem Weihnachtsmarkt, dort lässt sich dann bestimmt auch nach gelungener Fotoaktion der wohlverdiente Punsch finden. Am besten funktioniert es, wenn man die Lichter auch gut erkennen kann, zieht also abends oder in der Dämmerung los!

Das Prinzip dahinter / Technikeinschub

Ich machs kurz, versprochen, ansonsten einfach einen Absatz weiter springen:

Die Blende bezeichnet die Öffnung des Objektivs. Ist sie groß, fällt viel Licht in die Kamera, ähnlich wie bei unserer Pupille. Das ist vor allem im Dämmerlicht praktisch. Wenn die Blende weit geöffnet ist, passiert aber noch was. Der Schärfebereich wird klein, wodurch die Dinge im Vorder- und Hintergrund, die nicht im Fokus sind, verschwimmen. Und ganz genau genommen verschwimmen sie nicht. Auf dem Film oder Kamerasensor gibt es statt eines fokussierten Punktes einen sog. Zerstreuungskreis, der die Form der Blende hat. Und genau da setzen wir ein. Denn während die Blende normalerweise (nahezu) kreisrund ist, wollen wir diese mit Hilfe von Pappschablonen in eine andere Form bringen, was uns zurück zu unseren Postkarten bringt.

[Einschub im Einschub: es gibt auch Objektive, die keine runde Blende haben, v.a. Analogliebhaber kennen z.B. sechseckige Blenden oder recht teure Retro-Objektive mit Wechselblenden. Aber das sei hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt. Wir machen heute die deutlich günstigere und nicht weniger gute Papp-Variante.]

Bauanleitung:

Wir wollen unsere runde Blende zu Sternchen, Herzen, Schneeflocken, Miniatur-Weihnachtsbäumen oder was euch noch so einfällt verwandeln. Dadurch werden aus den unscharfen Lichtpunkten im Hintergrund (Weihnachtsmarkt und so), dann auch Sternchen, Herzen, Schneeflocken und so weiter.

Jetzt geht es erstmal ans Basteln. Schneidet aus der Pappe runde oder eckige Stücke, ca. 10-15 cm im Durchmesser (auf jeden Fall größer als der Durchmesser eures Objektives).

Werft dann einen Blick auf euer Objektiv: Wie groß ist in etwa die Größe der geöffneten Blende? Das ist eure Maximalgröße für eure neue Blendenform (Stern / Herz…). Wenn ihr unsicher seid, macht lieber mehrere Schablonen in unterschiedlichen Größen. So ungefähr Münzgroß könnte ein Richtwert sein.

Mit ein wenig Kreativität und Bastelgeschick habt ihr ganz schnell ein paar Schablonen, und schon kann es los gehen.

Kameraeinstellung: Eure Kamera sollte eine Möglichkeit haben in die Blendenvorwahl zu gehen. Das ist meist auf dem kleinen Rädchen oben drauf mit “A” oder “AV” gekennzeichnet. Dort wählt ihr die größtmögliche Blende (kleinste Zahl!) aus. Das ist unser Startpunkt. Natürlich könnt ihr die Blende vor Ort noch etwas variieren, aber behaltet dabei die Lichter im Hintergrund im Blick. Tendenziell müsst ihr mit einer offenen Blende arbeiten, sonst funktioniert es nicht.

Bei der Brennweite, wählt ihr am besten eine mittlere  (“Normalbrennweite”) bis hin zum leichten Tele. Im Weitwinkelbereich ist der Effekt u.U. nicht so gut zu erkennen. Aber probiert einfach aus.

Vor Ort

Ich möchte euch zwei Möglichkeiten zeigen, wie ihr eure Bilder machen könnt.

1. Variante:

Objekt im Vordergrund: Überlegt euch etwas, das ihr fotografieren möchtet. Das kann alles Mögliche sein. Vom Porzellanengel, über Tannenzweig bis hin zu einer Person. Wichtig ist nur, dass das, was ihr fotografieren wollt, relativ nah an euch und der Hintergrund relativ weit weg ist. Die genauen Abstände müsst ihr selbst herausfinden, das variiert.

Denkt daran, dass euer Objekt / die Person auch Licht (z.B. von einer Laterne) bekommt, damit ihr dieses am Ende auch auf dem Foto erkennen könnt. Und ganz wichtig ist natürlich, dass viele kleine Lichter im Hintergrund sind.

Da ich die Beispielbilder auf der Herbstkirmes (viele kleine Lichter^^) gemacht habe, müsst ihr jetzt eure Fantasie etwas bemühen. Was ihr seht ist eine unfassbar weihnachtliche Getränkedose mit Strohhalm. Hübsch, nicht?

Hinter mir war eine Zuckerwatten-Bude, von der fiel das Licht auf die Dose. Im Hintergrund waren die Fahrgeschäfte der Kirmes. Ich habe also mit der offenen Blende die Dose fokussiert, alles andere ist unscharf. Und jetzt seht euch die Bilder etwas genauer an. Beim ersten, ist noch alles normal. Die Lichter werden zu Kreisen / Punkten. Bei den nächsten Fotos habe ich dann die Papp-Blenden direkt vor das Objektiv gehalten.

Wenn ihr nicht genügend Hände habt, könntet ihr diese auch mit Tesafilm von außen am Objektiv festkleben, so nah darf sie sein. Beim nächsten Blick durch die Kamera, sind aus den schnöden Punkten Sterne oder Herzen geworden, je nachdem, welche Papp-Blende vor dem Objektiv ist. Dieses Bild mit Nikolausmütze auf der Dose wäre doch schon fast unsere Weihnachtspostkarte.

2. Variante:

Abstrakt / ohne Vordergrund: Wenn ihr ein eher abstraktes Bild ohne Objekt machen möchtet geht das natürlich auch. Dazu müsstet ihr am besten manuell auf einen kurzen Abstand fokussieren. (Auf einen manuellen Fokus könnt ihr entweder übers Menü oder manchmal auch über einen Schiebeschalter direkt am Objektiv umschalten). Der Rest ist wie oben. Viele Lichter suchen, defokussieren, Pappscheibe vor die Linse und >klick<. Durch Änderung vom Fokus verändert sich auch die Größe der Lichter. Probiert es aus.

Und zuletzt (um euch die Locationsuche etwas zu erleichtern) noch der Ort ohne Papp-Blende und in “richtig” fokussiert.

Das war es schon. Yay! Jetzt noch eine Hand voll gebrannter Mandeln und zurück ins Warme.



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