Mit der KRAKE unterwegs gegen Unrat am Rather See

Text: Jan Bilder: Jan & Johanna

Wir haben am Rather See die K.R.A.K.E. besucht. Dabei handelt es sich nicht um Kölns einziges Seemonster, sondern eine Gruppe Kölner, die sich regelmäßig trifft, um unsere Natur vom Müll zu befreien. Leider war es nochmals schlimmer als wir befürchtet hatten.

Sonntagvormittag 11 Uhr, die Sonne scheint, es herrscht bestes Badewetter und wir sind auf dem Fahrrad unterwegs zum See. Allerdings werden wir trotz 28°C nicht schwimmen sondern angeln, und zwar Unrat aus den Uferböschungen. Wir treffen uns dort nämlich mit der K.R.A.K.E., der Kölner Rhein-Aufräum-Kommando-Einheit. 

Den losen Zusammenschluss engagierter Kölner gründete der Kalker Christian Stock als Reaktion auf die Vermüllung unserer Natur. Angefangen hat alles beim Grillen am Rhein, wo er nicht nur vorbildlich seinen eigenen Abfall einsammelte, sondern sich, während er auf die Glut wartete, auch im näheren Umkreis dem ‚fremden‘ Müll annahm. Und da fast alles in Gemeinschaft mehr Spaß macht, gründete er die K.R.A.K.E..

Die K.R.A.K.E.

Organisiert werden die Aktionen im virtuellen Kraken-Becken, einer öffentlichen Facebook-Gruppe. Jeder der helfen möchte ist willkommen. Mittlerweile hat die Gruppe über 800 Mitglieder und der Aktionsradius geht weit über den Rhein hinaus. Auch wenn, wie Christian anmerkt, seine eigene Hauptroute nach wie vor das Rheinufer zwischen Deutz und Mülheim ist. In der Gruppe können die Mitglieder melden, wo die Natur gerade besonders unter den Hinterlassenschaften ihrer menschlichen Besucher leidet. Über die offiziellen Kraken-Aktionen wird abgestimmt. Daneben organisieren sich die Mitglieder aber auch untereinander.

In der Gruppe haben wir eine Google Maps Location erhalten, um das Zusammenkommen zu vereinfachen. Anfangs sind wir noch zu acht, durch diverse Nachzügler wächst die Runde allerdings auf gut 20 Kraken an. Die ganze Aktion wird von der AWB im Rahmen von Kölle putzmunter unterstützt. Sie stellt Handschuhe und Müllsäcke und holt auch die vollen Säcke an einem vereinbarten Ort wieder ab. „Die kennen mich da schon“, lacht Christian.

Viel Müll im Gebüsch

Mit viel Elan macht sich die bunt gemischte Truppe ans Werk. Leere Flaschen, Kronkorken, Chipstüten, Plastikfolien, Alu-Folie und Grillreste gehören zu den häufigsten Dingen, die in den orangefarbenen Säcken verschwinden. Aber auch Socken, eine Packung Seife, Unterwäsche, Baby-Windeln, ein Fahrradsattel und ein kompletter noch brauchbarer Grill werden aus dem Gebüsch gefischt. Besonders ärgerlich ist es, wenn Lebensmittel zum Vorschein kommen. „Das zeigt doch, dass Fleisch zu billig ist und einfach nicht wertgeschätzt wird,“ zeigt sich eine Krake frustriert, als ein noch verpacktes großes Rindersteak auftaucht.

Etwas überrascht und schockiert sind wir, als wir in einer Ecke auf eine regelrechte Müllkippe stoßen. Offensichtlich gilt hier nur noch das Motto ‚Da liegt doch schon was‘. Selbst mit fünf Kraken brauchen wir mehr als eine Stunde, um den gesamten Abfall alleine aus dieser einen Ecke in Säcke zu füllen. „Das ist hier leider normal“, erzählt uns eine Krake, die aus der Umgebung kommt und auch im Kleinen öfter mal zum Sammeln an den See geht. „Am Kiesstrand schieben die Leute den Müll teilweise einfach auf Seite, um sich einen sauberen Platz für das eigene Handtuch zu schaffen.“ Mit leichtem Sarkasmus fügt Christian hinzu „Och schön, Müllengel machen.“ 

Viel Zustimmung und potentielle neue Kraken

Die gute Laune lassen sich die heutigen Aktivisten jedenfalls nicht vermiesen. Auf jeden Seebesucher, der uns anschaut, als ob wir vollkommen verrückt seien, an einem solchen Tag freiwillig den Dreck anderer Menschen wegzuräumen, kommen zwei Besucher, die sich dankbar oder gar interessiert zeigen. Wir verteilen Müllsäcke und Visitenkarten der KRAKE und erklären, dass wir dafür wirklich nicht bezahlt werden. 

Die vielen „Danke“ und erhobenen Daumen helfen dabei die vollen Müllsäcke bei fast 30°C den langen Weg zurück zu schleppen. Schön ist es auch, aus den Augenwinkeln zu beobachten, wie der ein oder andere Seebesucher seinen Müll in den von uns verteilten Müllsäcken entsorgt. Höchstwahrscheinlich braucht der See bei diesem Grillwetter schon bald wieder einen Kraken-Einsatz, aber jede Aktion schafft Bewusstsein und damit die Chance auf Veränderung. Mit kleinen Schritten die Welt verbessern! 

Noch besser sind jedoch die beiden Herren in Badehose, die spontan mit anpacken und helfen, ein paar Säcke die steile Böschung nach oben zur Straße zu tragen. Gut 70 Säcke sind in drei Stunden zusammengekommen. Dabei haben wir es nicht mal halb um den See geschafft. Der Kiesstrand mit seinen Müllengeln muss bis zur nächsten Kraken-Aktion warten. 

Christian und die Kraken freuen sich über jede helfende Hand. Das Kraken-Becken findet Ihr bei Facebook über folgenden Link:

https://www.facebook.com/groups/rheinuferkrake/

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