Rauchzeichen 2.0 in Flittard

Text: Jan Bilder: Jan & Siehe Quellen

Der optische Telegraf war eine der ersten Möglichkeiten Nachrichten über große Distanzen zu übertragen, ohne dabei auf das Überbringen eines physischen Mediums wie Papier durch einen Boten angewiesen zu sein. In gewisser Weise die Rauchzeichen 2.0. Noch heute steht ein Überbleibsel dieser frühen Telekommunikationsmöglichkeit auf der Schäl Sick in Köln-Flittard.

Die Funktionsweise des Telegrafen ist sehr einfach: Durch einen Seilzug werden die sechs Arme des Telegrafen in jeweils vier verschiedene Positionen gebracht. Im Verhältnis zum Mast sind dies entweder 0°, 45°, 90° oder 135°. Die Kombination aus allen sechs Armen steht dann für ein bestimmtes Zeichen, z.B. eine Zahl oder einen Buchstaben. Da die Kommunikation in zwei Richtungen erfolgen kann, müssen die Zeichen logischerweise ggf. auch spiegelverkehrt abgelesen werden. Die nachfolgende Telegrafen-Station stellt nun die Arme an ihrem Mast auf die gleiche Position. Sobald dies geschehen ist, kann der Telegrafist der ersten Station das nächste Zeichen einstellen. 

Voraussetzung war natürlich, dass in jeder Station ein Telegrafist und ein Assistent (Untertelegrafist) ständig anwesend waren und zumindest bei Tageslicht regelmäßig die umliegenden Telegrafen mit dem Fernrohr auf neue Zeichen überprüften. Vorgeschrieben war hierfür ein Minutentakt.

Die „Datenrate“ lässt zu wünschen übrig

Auf diese Art und Weise übermittelte das preußische Militär zwischen 1833 und 1849 täglich mehrere verschlüsselte Nachrichten (Depeschen) über die 61 Telegrafen-Stationen zwischen Koblenz und Berlin. Die einzelnen Stationen waren dabei im Abstand von rund 10 Kilometern aufgestellt, selbstverständlich abhängig von der Topografie der Landschaft. Die der Station in Flittard nachfolgende Station war zum Beispiel auf dem Turm der Kirche St. Pantaleon in der Nähe des Barbarossaplatzes aufgestellt. Die meisten Stationen hatten dabei eine einfache „Relais“-Funktion: Nachrichten/Zeichen ablesen und an die nächste Station weitergeben. Lediglich an drei Stationen (telegrafische Expeditionen/Versandabteilungen) in Berlin, Köln und Koblenz durften neue Nachrichten aufgegeben werden.

Natürlich war die „Datenrate“ nicht nur sehr eingeschränkt, sondern auch wetterabhängig. Die Bibel mit ihren knapp 4,4 Millionen Zeichen von Berlin nach Koblenz zu übertragen hätte bei guten Wetterbedingungen über 17 Jahre gedauert. Zugegeben, da wäre ein berittener Bote doch deutlich effektiver gewesen. Für kurze Nachrichten war der optische Telegraf jedoch eine revolutionäre Erfindung. Das einfache Zeichen brauchte für die gesamte Strecke lediglich um die 10 Minuten, während ein Bote oder gar die Postkutsche Tage unterwegs gewesen wäre.

Telegrafie ABC (CC BY-SA 3.0, Wikipedia, kandschwar - scan from Museum für Kommunikation Frankfurt)
Keine lange Lebensdauer

Trotzdem überlebte der optische Telegraf nicht sehr lange, da er im Juni 1849 durch den deutlich effektiveren elektrischen Telegrafen ersetzt wurde (Verantwortlich für den Bau übrigens ein gewisser Werner Siemens und seine „Telegraphen Bau-Anstalt von Siemens & Halske in Berlin“, Vorläufer der heutigen Siemens AG). Lediglich bei den mechanischen Eisenbahn-Signalanlagen lebte die vereinfachte Idee des optischen Telegrafen weiter.

Die Telegrafen-Station 50 in Flittard wurde in den 60er Jahren durch IHK und Stadt vor dem Verfall bewahrt und rekonstruiert. Bis 2005 war sie eine Außenstelle des Kölnischen Stadtmuseums, bevor sie leider aus Kostengründen geschlossen wurde. Daher können Besucher die Telegrafen-Station heute nur noch von außen anschauen.

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