Aus dem Keller aufs Podest

Text: Jan Bilder: Siehe Quellen

Köln wird gerne für seine kleinen Kölschstangen belächelt. Ettore Bugatti muss es ähnlich gegangen sein, als er mit seinem in einem Keller in Mülheim entwickelten Rennwagen 1911 beim Großen Preis von Frankreich antrat.

Ernest Friedrich im Bugatti Typ 13 (Wikimedia Commons / Public Domain)

Die ersten Rennwagen zeichneten sich vor allem durch ihren riesigen Hubraum aus.  So hatte das Fahrzeug, das Christian Lautenschlager 1908 für Mercedes – damals noch ohne Stern – auf den ersten Platz beim Großen Preis von Frankreich fuhr, ganze 12,8 Liter Hubraum. Neun Minuten vor dem zweitplatzierten Franzosen Héméry erreichte er das Ziel. Doch auch dieser fuhr nicht mit einem inländischen Fabrikat, sondern mit einem Benz aus Deutschland. Der erste französische Wagen kam lediglich als vierter über die Ziellinie. Der Blick auf die Siegerliste trieb den Stachel nur noch tiefer ins Herz der Franzosen: Insgesamt sechs der Top Ten Rennwagen kamen aus deutscher Produktion von Mercedes, Benz und Opel. „Quel blamage, quelle catastrophe!“ – Den Franzosen war die Lust am Rennsport vergangen.

So fand das nächste große Rennen auch erst 1911 in Le Mans statt. Ausrichter war nicht mehr der Automobile Club de France (dieser veranstaltete erst 1913 wieder einen offiziellen Grand Prix) und auch sonst gab es eine große Neuerung. Der nun verantwortliche Automobile Club de l’Ouest, der auch heute noch das 24-Stunden-Rennen in Le Mans organisiert, schrieb nämlich nicht nur das Hauptrennen aus, sondern auch eine Klassenwertung für Fahrzeuge bis 1.400 cm³ Hubraum. Ein absolutes Novum zu diesem Zeitpunkt.

Auftritt des Mülheimer Kellerkindes

Ettore Bugatti, 1881 in Mailand geboren, startete seine Ingenieurslaufbahn bei der Fahrrad- und Dreiradfabrik Prinetti & Stucchi, für die er auch seine ersten Erfahrungen im Rennsport sammelte. Über eine Anstellung als Chefingenieur bei De Dietrich landete Bugatti schließlich 1907 in Köln bei der Gasmotoren-Fabrik Deutz AG.

Sein Aufenthalt in Deutz war nur ein kurzes Gastspiel. Man hielt seine Modelle für zu unwirtschaftlich und kompliziert. Trotzdem legte er während seiner Zeit in Köln den Grundstein für eine unglaublich erfolgreiche Geschichte. In seiner Freizeit konzipierte und baute Bugatti im Keller seines Wohnhauses im damals noch unabhängigen Mülheim nämlich den Typ 10.

Mit der Abfindung der Deutz AG gründete er seine eigene Fabrik im elsässischen Molsheim und entwickelte den Typ 10 Prototyp zum serienreifen Typ 13 weiter. Der kleine Rennwagen hatte 1368 cm³ und knapp 30 PS bei lediglich 300 kg. So war der kleine Flitzer beim Großen Preis von Frankreich 1911 in Le Mans auch krasser Außenseiter und musste zwischen den anderen Rennwagen wie die Kölschstange auf einem Tisch voller Maßkrüge gewirkt haben. Wir können uns das Unwissenheit und Ignoranz wiederspiegelnde, mitleidige Lächeln der anderen Teilnehmer lebhaft vorstellen.

The Bugatti Trust

Wir möchten uns beim Bugatti Trust bedanken, der uns die Bilder des Typ 10 zu Verfügung gestellt hat. Der gemeinnützige Bugatti Trust setzt sich für den Erhalt der Arbeiten Bugattis ein und unterhält neben einem Museum, ein großes Archiv mit original Bauplänen, technischen Zeichnungen, Bildern und sonstigen Dokumenten.

Mehr Informationen gibt es auf der englischsprachigen Webseite: bugatti-trust.co.uk

Bugatti und sein Kölner Kellerkind: Der Typ 10 (The Bugatti Trust)

Doch nach gut 7 Stunden auf dem Rundkurs von Le Mans lächelten nur noch Bugatti und sein Rennfahrer Ernest Friederich. Der kleine Typ 13, mit seinen Wurzeln auf der Schäl Sick, hatte nicht nur die Klasse der Fahrzeuge bis 1.400 cm³ gewonnen, sondern sensationell auch den zweiten Platz im Gesamtklassement geholt. Er wurde anschließend regelrecht zum Verkaufsschlager und die Marke Bugatti in nur wenigen Jahren zum Rennsport Mythos.

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